200 Jahre gesetzliches Messwesen in Luxemburg

Mit dem Gesetz vom 21. August 1816 wurde in Luxemburg die Benutzung des metrischen Systems für kommerzielle Transaktionen vorgeschrieben und das Messwesen damit erstmals gesetzlich geregelt. Im Rahmen des Festakts „Bicentenaire de la Métrologie Légale“ wurde das 200-jährige Jubiläum gestern im Technoport Belval gefeiert. Zu den Rednern gehörte u.A. Wirtschaftsminister Étienne Schneider.

Wirtschaftsminister Étienne Schneider
Wirtschaftsminister Étienne Schneider

Besonders hervorgehoben wurden die Leistungen des Service de Métrologie Légale (Luxemburger Eichamt), der im Jahr 2015 in Luxemburg 2861 Zapfsäulen und 1452 Waagen verschiedener Art geeicht hat.

Philippe Kadok, Leiter des Bureau Luxembourgeois de Métrologie
Philippe Kadok, Leiter des Bureau Luxembourgeois de Métrologie (BLM)

Am Stand des Service de Métrologie Légale waren zahlreiche Gewichte, Waagen und andere Geräte zu sehen.

Stand des Service de Métrologie Légale
Stand des Service de Métrologie Légale
Geeichte Waage A&D EK-610i-EC (mit Apparatur zur Dichtebestimmung)
Geeichte Waage A&D EK-610i (mit Apparatur zur Dichtebestimmung)

An weiteren Ständen konnten sich die Besucher über die Aktivitäten verschiedener Akteure aus dem Gebiet der Metrologie informieren. Zudem wurde eine Führung durch das neue ILNAS-Labor angeboten, welches der Überprüfung von Geräten auf ihre elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) im Rahmen der Marktüberwachung dient.

Weitere Informationen zum Mess- und Eichwesen in Luxemburg:

 

 

Schweiz: 46 Prozent der kontrollierten Geschäfte wiegen falsch

Im Jahr 2014 hat der Schweizerische Eichdienst laut einer aktuellen Pressemitteilung Testkäufe in rund 450 Geschäften in der ganzen Schweiz durchgeführt. Hierbei wurde kontrolliert, „ob den Kundinnen und Kunden auch im Offenverkauf die Ware nach der Nettomenge, also ohne das Gewicht des Verpackungsmaterials, verkauft wird“. In über 46 Prozent der kontrollierten Geschäfte war dies nicht der Fall, hier wurde das Verpackungsmaterial mitgewogen.

Auch in Deutschland wird das Mitwiegen des Verpackungsmaterials bei Kontrollen der Eichämter häufig beanstandet. Weitere Informationen und nützliche Tipps zu rechtskonformen Verwendung Ihrer preisrechnenden Waage finden Sie auf waage-geeicht.de: Kein brutto für netto – so wiegen Sie als Händler richtig.

Anzeigepflicht für Verwender geeichter Waagen in Deutschland

Seit 1. Januar 2015 gilt in Deutschland das neue Mess- und Eichgesetz in vollem Umfang. Damit sind Verwender neuer oder erneuerter geeichter Waagen erstmals verpflichtet, diese der zuständigen Behörde zu melden:

§ 32 Anzeigepflicht

(1) Wer neue oder erneuerte Messgeräte verwendet, hat diese der nach Landesrecht zuständigen Behörde spätestens sechs Wochen nach Inbetriebnahme anzuzeigen. […]

Die Verwenderanzeige kann „auf elektronischem Weg“ über die zentrale Meldeplattform auf www.eichamt.de erfolgen, dort finden Sie auch hilfreiche Infoblätter mit weiteren Informationen.

Hinweis: Eine Anzeigepflicht besteht nur für geeichte Waagen, die Sie aufgrund gesetzlicher Vorschriften verwenden. Wenn Sie freiwillig eine geeichte Waage einsetzen, dazu aber nicht gesetzlich verpflichtet sind, sind Sie nicht von der Anzeigepflicht betroffen. Ebenfalls nicht anzuzeigen sind Gewichtsstücke und Zusatzeinrichtungen.

Elektronische Verwenderanzeige gemäß § 32 MessEG

Wir zeigen Ihnen am Beispiel der geeichten Personenwaage MPS 200K100PM, wie das Anmeldeformular auf eichamt.de ausgefüllt wird:
Verwenderanzeige nach Mess- und Eichgesetz

Die notwendigen Angaben zu der Waage haben wir dem Typenschild entnommen:
Geeichte Waage Kern MPS 200K100PM

Geräteart

Die Geräteart wird anhand der Genauigkeitsklasse und der Höchstlast ausgewählt. Die Genauigkeitsklasse ist auf dem Typenschild in einem Oval angegeben (III), die Höchstlast steht hinter „Max“ (200kg).

Entsprechend muss „Handelswaage (III) / Grobwaage (IIII) Höchstlast zwischen 60 kg und 3000 kg“ ausgewählt werden.

Hersteller

Als Hersteller wird auf dem Typenschild die „KERN & Sohn GmbH“ genannt.

Typbezeichnung

Die Typbezeichnung dieser Waage ist „MPS 200K100PM“.

Jahr der Kennzeichnung

Hierbei handelt es sich um das Jahr der Ersteichung, welches auf Waagen als zweistellige Zahl hinter dem CE-Zeichen angegeben wird. Da diese geeichte Personenwaage auch ein Medizinprodukt ist, sind zwei CE-Zeichen mit Angabe der entsprechenden EG-Richtlinie vorhanden. Wir interessieren uns für die Waagen-Richtlinie 2009/23/EG. Das Jahr der Kennzeichnung ist demnach „15“ (für 2015):
Jahr der Ersteichung Waage

Messgeräteliste vorhanden

Wer mehr als ein Messgerät der gleichen Geräteart verwendet und nicht für jedes Gerät eine einzelne Anzeige abgeben möchte, kann diesen Punkt auswählen. In diesem Fall muss nur das erste Messgerät einer Messgeräteart gemeldet werden, dafür muss aber eine komplette Liste der Messgeräte vorgehalten werden, die der zuständigen Behörde auf Anforderung unverzüglich zur Verfügung gestellt werden kann (weitere Infos siehe Infoblatt auf eichamt.de).

Damit ist der wägetechnische Teil des Formulars ausgefüllt. In den weiteren Formularfeldern wird die Anschrift des Verwenders eingetragen.

Nach Eingang der Anmeldung sollten Sie eine Bestätigung per E-Mail erhalten. Diese könnten Sie ausdrucken und bei der geeichten Waage aufbewahren, um bei einer Kontrolle nachweisen zu können, dass Sie Ihrer Anzeigepflicht nachgekommen sind.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu der Neuregelung des Mess- und Eichwesens in Deutschland finden Sie auch auf folgenden Seiten:

Brutto für netto – viele Händler wiegen immer noch falsch

Wie füllt man das Sommerloch, wenn keine entlaufenen oder ausgesetzten Tiere Angst und Schrecken verbreiten? Zum Glück gibt es ein Thema, über das vermutlich seit der Erfindung der Waage diskutiert wird: das Mitwiegen von Verpackungen beim Verkauf (»brutto für netto«).

Folgende Medien haben sich in den letzten Tagen mit dieser Problematik beschäftigt:

Lesenswert sind nur die Artikel der Südwestpresse und der Süddeutschen Zeitung. Kurz zusammengefasst: Testkäufe durch die Eichdirektionen von drei Bundesländern im Juli haben gezeigt, dass viele Händler immer noch die Verpackung mitwiegen. Ein Drittel der Händler in Hessen und Baden-Württemberg hat nicht richtig gewogen, in Rheinland-Pfalz waren es dagegen nur sechs Prozent. Besonders hoch war die Quote der Beanstandungen in kleinen Betrieben.

Bei Welt Online ist die Überschrift Blödsinn: Beim Eichen handelt es sich um die eichtechnische Prüfung und Stempelung der Waage durch Mitarbeiter des Eichamts (vgl. DAM Glossar der Metrologie) und nicht um die hier vorliegende falsche Verwendung einer geeichten Waage.

Sie möchten noch mehr wissen? Auf waage-geeicht.de erklären wir ganz genau, wie man als Händler das Nettogewicht richtig bestimmen kann.

Update 07.08.2011: Noch ein Nachzügler: Die Waiblinger Kreiszeitung berichtet von „Schummeleien an der Waage“.